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Das Jahrtausendsjubiläum
gibt uns Gelegenheit, über unsere Welt nachzudenken.
Das
ist meine Hoffnung und gleichzeitig mein Wunsch an alle Pilger und Besucher
von Florenz.
Hoffnung,
weil ich mir wünsche, dass wir alle in diesem Jubiläumsjahr der Geschichte
neu begegnen können und dem Wort Fortschritt eine neue Bedeutung verleihen,
die durch den Verlauf des Wachstums der Gesellschaft bestimmt wird. Mein
Wunsch, weil wir von nun an im gegenseitigen Austausch, in der wechselseitigen
Beziehung und in der Verschmelzung mit anderen Völkern, Ideen und Kulturen
geistige Nahrung für die Zukunft finden können.
Unsere
Gesellschaft unterliegt einem raschen Wandel. Dabei sind wir nicht nur
Zeugen der globalen Entwicklung, sondern auch der Veränderung unseres
eigenen Lebensraumes. Doch leider prägen den Beginn dieses Jahrtausends
auch die vielen Menschen, die in völliger Armut leben und die Kluft zwischen
dem reichen Westen und einem großen, ständig ärmer werdenden Teil der
Welt wird immer größer.
Vom
Standpunkt der Menschenrechte aus betrachtet, gibt es beunruhigende Neuigkeiten.
Die technologische Entwicklung bringt das ökologische Gleichgewicht der
Natur in Gefahr. Genmanipulation bringt das Konzept der biologischen Einheit
des Menschen durcheinander.
Wenn wir hingegen die heutige Gesellschaft von einem sozialdynamischen
Standpunkt aus betrachten, beobachten wir zunehmende soziale Unverantwortlichkeit.
Unsicherheit wird zum vorherrschenden Gefühl der Menschen, der Gemeinschaften
und der gesamten Gesellschaft.
Der Unterschied zwischen den Geschlechtern, eine zunehmende soziale Schichtung,
chronisch Ausgestoßene, Immigranten und Flüchtlinge, die die untersten
und oft unbekanntesten Schichten der Gesellschaft ausmachen, bleiben wie
eine nie gedämpfte Plage unter dem Motto der Ungleichheit bestehen. Aber
Ungleichheit bezieht sich auch auf Wissensunterschiede, Generationskonflikte
und Schwierigkeiten, die die sich wandelnden Arbeits- und Kommunikationssysteme
sowie veränderte Formen des sozialen Lebens für einen Großteil der Gesellschaft
mit sich bringen. Die Jahrtausendwende ist eine Zeit, um Bilanz zu ziehen.
Man wirft einen Blick darauf und oft, wie der von Walter Benjamin in Erinnerung
gerufene Angelus Novus von Klee, sind wir darauf bedacht, uns von dem
zu entfernen, das wir mit dem Blick fixieren. Wie ein Engel mit gesenktem
Blick, der hofft, eine Trennlinie ziehen zu können. Das Ende des Jahrtausends
und das Jubiläum könnten uns helfen, diese Linie zu ziehen.
Den Gläubigen bietet das Jahr 2000 die Möglichkeit zu einem Blick in die
Vergangenheit und zum erneuten Lesen der christlichen Botschaft der Rückkehr
auf die Erde und der "Befreiung der Sklaven", einer Botschaft, die seit
dem Mittelalter jedes Jubiläumsjahr auszeichnete.
In
diesem neuerlichen Lesen liegt die allumfassende Wiederversöhnung, Hoffnung
und Brüderlichkeit, die durch die christliche Botschaft verkörpert wird.
Und es ist kein Zufall, dass sich der Dialog zwischen Katholiken und Konfessionslosen
gerade darauf stützt.
Das
Millennium und das Jubiläum erlauben uns nicht nur, die Geschichte des
20. Jhs. mit all ihren Absurditäten zu überdenken, sondern bestätigen
auch die Notwendigkeit allgemein gültiger Menschenrechte auf unserem Planeten.
Mein
Gruß an die Besucher von Florenz soll also ein herzliches Willkommen und
gleichzeitig eine Einladung sein.
Ich hoffe, dass jeder Pilger und jeder Tourist in Florenz die Schönheiten
dieses einzigartigen kulturellen Zentrums genießt, aber auch beginnt,
sich als Weltbürger zu fühlen, als ein Mensch, der in Freiheit, Brüderlichkeit
und mit Verantwortung das neue Jahrtausend begrüßt und lebt.
Florenz
- Wiege der Kultur - möchte seine Besucher mit neuen Möglichkeiten herzlich
willkommen heißen.
Dazu zählen neue Parkmöglichkeiten für Autos und Busse, neue Einrichtungen
und neue Beleuchtungsanlagen an den wichtigsten Plätzen der Stadt.en.
Neue
öffentliche Toilettanlagen, eine ausgebaute Jugendherberge und zahlreiche
Informationsstände für Touristen ermöglichen eine bessere Nutzung des
öffentlichen Raums. Denkmäler werden mittels Videokameras überwacht werden
und Kirchen ohne architektonische Schranken für jedermann zugänglich sein.
Auch die durchgeführten Restaurierungen müssen hier erwähnt werden und
am Ende des Jahres 2000 steht ein sehr wichtiges Ereignis auf dem Programm:
die Eröffnung der neuen Uffizien.
Leonardo
Domenici
Oberbürgermeister von Florenz
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